Geld- und Währungsverhältnisse im Wandel der Zeit
Von Olaf Meiler

Heute ist es selbstverständlich mit ein paar Mark in der Tasche ins nächste Geschäft zu laufen und zu kaufen, was man gerade braucht - Lebenswichtiges, Nützliches oder Überflüssiges, jeder nach seinen Bedürfnissen und Möglichkeiten.

Das Geld im Mittelalter

Das war nicht immer so. Die Menschen im deutschen Mittelalter kamen lange Zeit ohne Geld aus. Im ländlichen Raum herrschte fast ausschließlich Naturalhandel. Bauern und Bürger tauschten untereinander Lebensmittel, Werkzeuge und Dienstleistungen. Das Wachsen der Städte und der zunehmende Fernhandel förderten das Bedürfnis nach einem flexiblen, dauerhaften und leicht teilbaren Tauschmittel in Form des Geldes. Auch die Tatsache, daß die staatlichen Obrigkeiten ihre Steuern lieber in beständiger Münzform als in leicht verderblichen und mühselig zu lagernden Getreide oder gar lebendigen Tieren einzog, trug zur Einführung des Geldes in das tägliche Leben bei.

Das erste Geld, mit dem die Menschen hierzulande Umgang hatten, waren Pfennige. In Bayern gab es vor allem den Regensburger Pfennig, aber auch Münchner, fränkische und böhmische Pfennige waren in Umlauf. Kleinere Geldbeträge wurden abgezählt, größere abgewogen. So konnte eine Rechnung durchaus auf „ein Pfund Pfennige“ oder „eine Mark Pfennige“ (Mark = 1/2 Pfund) lauten.

Dieses Geldsystem war mit einigen Unwäg-barkeiten belastet. Maße und Gewichte in unserem Land waren nicht normiert. Das für die Oberpfalz gültige Amberger Pfund konnte von dem in Nürnberg oder anderswo gültigen Pfund durchaus um einige Gramm abweichen. Außerdem vermehrten sich die Münzstätten. Jedes halbwegs unabhängige Territorium in Deutschland hatte das Recht eigene Münzen zu prägen, was auch leidlich ausgenutzt wurde. Bamberg, Bayreuth, Nürnberg, die bayerischen Herzöge oder die Pfalzgrafen bei Rhein, denen die Oberpfalz zugehörte, prägten ihre eigenen Münzen. Je nach Zeit und Ort variierte der Wert der Münzen. In einem Territorium konnte der Schilling 12 Pfennige, im anderen 30 oder 48 Pfennige wert sein.

Das Münzrecht förderte die Entstehung verschiedenster Münzen. In Bayern setzte sich der Gulden (fl.)1 durch, eingeteilt in 60 Kreuzer (xr.), ein Kreuzer à 4 Pfennige und die wieder unterteilt in je 2 Heller. In Preußen und Sachsen waren die Taler verbreitet. Als höherwertige Münzen prägten viele Länder auch Goldmünzen, sogenannte Dukaten2 oder Kronen. Als Kleingeld verwendete man Scheidemünzen aus unedlen Metallen, zumeist Kupfer. Deren Namen waren meist Kreuzer, Pfennig oder Heller, es gab aber auch Batzen, Pistolen, Groschen oder Stüber.

Finanzielle Engpässe bei manchen Landesherren wirkten sich auf den Wert des Geldes aus. Es gab allgemeine Übereinkommen, wieviele Münzen man aus einem Pfund Silber schlagen durfte. Mancher in Geldnot geratene Landesherr versuchte allerdings durch Beimischung unedler Metalle seinen Reichtum zu vermehren. Wenn das ruchbar wurde, trat das in Kraft was wir heute Inflation oder Geldentwertung nennen. Ein Taler eines solchen Fürsten wurde im Nachbarland nicht mehr für einen Taler, sondern nur noch für 50 Kreuzer angenommen. Wechselkurse gab es also auch damals schon.

Münzordnungen

Die vielfältigen Währungen, die unterschiedlichen Kurse und der wachsende Handel förderten das Geschäft von Geldwechslern und die Entstehung erster Banken. Der verwirrenden Münzvielfalt versuchte man mit Münzordnungen und Münzkonventionen Einhalt zu gebieten. Herzog Albrecht IV. ordnete 1506 das bayerische Münzwesen neu indem er die Prägung größerer Gold- und Silbermünzen veranlaßte.

Die Reichsmünzordnung von 1524 erklärte den Taler, die Reichsmünzordnung von 1559 den Gulden zur Reichshauptmünze3. 1690 kam es zur Einführung des Leipziger Fußes4 und 1753 zur Festlegung des Konventionsfußes, durch die der Edelmetallgehalt, d.h. der Silbergehalt der Münzen einheitlich festgelegt wurde. Eine Folge solcher Konventionen war es, daß auch in Bayern sogenannte Konventionstaler geprägt wurden, die neben den üblichen Gulden in Umlauf waren. Zu diesen gab es dann auch Kleingeldmünzen, die Konventionszehner oder - zwanziger.

Das komplizierte Geldsystem läßt sich in den Handelsakten früherer Jahrhunderte gut nachlesen. Wenn man sich die Briefprotokolle durchsieht5, in denen alle Haus- und Grundstücksverkäufe sowie wichtige Geldgeschäfte „verbrieft“ wurden, so fällt auf, daß neben dem in Gulden ausgezeichneten Kaufpreis häufig noch ein kleinerer Geldbetrag in bayerischen oder Konventionstalern verzeichnet ist.

Eine recht ungewöhnliche Münze entstand durch den Dresdner Münzvertrag von 1838, mit dem man den Versuch machte die Münz- und Währungsverhältnisse in Nord- und Süddeutschland zu vereinheitlichen. Es war die sogenannte Vereinsmünze, deren Wertangabe gleichzeitig auf 31/2 Gulden und auf 2 Taler lautete. Will man diesen Vorgang auf heutige Verhältnisse übertragen, so müßte man sich vorstellen Deutschland und Frankreich schließen einen Vertrag, in dem sie die Herausgabe einer gemeinsamen Münze beschließen in der als Nennwert „2 Mark = 13 Francs“ eingeprägt ist.

Wie mag so ein Handel in früherer Zeit also abgelaufen sein. Stellen wir uns zwei Grafenwöhrer Bürger vor, sagen wir 1840, die untereinander einen Acker verkaufen. Als Kaufpreis hat man sich auf 26 Gulden geeinigt. Der Käufer kramte aus seinem Sparstrumpf eine Vereinskrone6, einen Dukaten7, einen Konventionstaler8, und eine Vereinsmünze9.

Zusammengerechnet waren das 27 Gulden und 24 Kreuzer. Der Käufer bekam noch 1 fl. 24 xr. zurück und die erhielt er wohl in Form eines Guldenstückes und vier 6-Kreuzer-Stücke10.

Wir sehen an diesem willkürlichen Beispiel, daß man früher mit vielen, recht unterschiedlich bewerteten Münzen zurechtkommen mußte, deren Werte man kennen mußte, um die Summen daraus berechnen zu können.

Die Mark als Reichswährung

Dieses System bedurfte einer Vereinheitlichung. Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 vereinbarte man Gulden und Taler zugunsten der Mark-Währung aufzugeben. Der Taler wurde bei der Währungsumstellung 1873 zu 3 Mark und der Gulden zu 1,71 Mark gerechnet. Für fast 50 Jahre war die Mark eine für Deutschland beständige Währung, ehe sie belastet durch die Kosten des 1. Weltkrieges und der darauf folgenden Reparationen unter Druck geriet. Zwischen 1919 und 1923 erlitt die deutsche Währung einen bisher nie dagewesenen Wertverlust, der 1923 in einer galoppierenden Inflation endete. Während zum Jahresende 1918 für 1 Dollar 2 Mark gezahlt wurden, waren es 1920 16 Mark und 1922 1600 Mark. Auf dem Höhepunkt der Inflation am 20.11.1923 stand der Dollar bei 1 Billion Mark. Die Preise entwickelten sich entsprechend. Ein Ei kostete auf dem Höhepunkt der Inflation 320 Milliarden Mark.

Diese Inflation fing man kurzfristig durch Einführung der Rentenmark auf, die nicht in Gold, sondern durch Grundkapital der Wirtschaft gedeckt war. 1 Billion Papiermark wurden zu 1 Rentenmark gerechnet11.

Durch die dadurch erreichte Geldstabi-lisierung und eine Neuordnung der Kriegsreparationskosten konnte man schon im August 1924 wieder zu einer goldgedeckten Währung zurückkehren, die nun offiziell Reichsmark hieß.

Auch die Reichsmark verdankt ihren Wertverlust Kriegsereignissen. Der 2. Weltkrieg wurde aus Beutegut und durch den ungedeckten Druck von Papiergeld finanziert. Die alten wie auch die nach dem Krieg von den Alliierten herausgegebenen Markscheine fanden keine Anerkennung mehr. Zwischen 1945-48 beherrschte der Tauschhandel Deutschland. Das beliebteste Tauschmittel waren Zigaretten. Die Währungsreform vom 20. Juni 1948 beendete diesen Zustand. Seither ist die „Deutsche Mark“ gültiges Zahlungsmittel in Deutschland.

Im Rahmen der europäischen Einigung haben sich 11 Länder der EU zur Einführung einer gemeinsamen Währung, dem Euro, entschlossen. Nach einer Übergangszeit, die bis ins Jahr 2002 reicht werden Euro-Geldscheine und -Münzen die seit 1873 in verschiedener Form gültigen Markwerte in Deutschland ersetzen. 1 Euro wird dabei zu 1,95583 Mark umgerechnet. So wie die Mark einst Taler, Gulden und Dukaten abgelöst hat, wird der Euro die Mark, Francs, Schillinge und Peseten ablösen und damit ein neues Kapitel in der Geldgeschichte beginnen.


1 Der Gulden ist eine ursprünglich in Florenz geprägte Goldmünze, daher die Abkürzung fl. In Deutschland war er zunächst als Gold-, später auch als Silbermünze verbreitet.

2 Dukaten gibt es in Deutschland seit der Reichsmünzordnung von 1559. Vgl. Staatliche Münzsammlung München (Hrsg.), Vom Taler zum Dollar 1486-1986, München 1986, S. 69.

3 Vgl. Staatliche Münzsammlung München (Hrsg.), Vom Taler zum Dollar 1486-1986, München 1986, S. 36/37 und 69.

4 Vgl. Staatliche Münzsammlung München (Hrsg.), Vom Taler zum Dollar 1486-1986, München 1986, S. 120/121.

5 Sie sind für Grafenwöhr für das 18. Jahrhundert fast vollständig erhalten.

6 Goldmünze zu 15 fl. 54 xr.

7 Goldmünze zu 5 fl. 36 xr.

8 Silbermünze zu 2 fl. 24 xr.

9 Silbermünze zu 3 fl. 30 xr.

10 Kreuzermünzen wurden zu 1-, 3-, und 6-Kreuzern ausgegeben.

11 Vgl. hierzu Kurt Jäger, Die deutschen Münzen seit 1871, Basel13 1982, S. 311.


webmaster@online-infos.de